Jusos kritisieren Entscheidung der Caritas und den „Dritten Weg“ der Kirchen

Mit großem Entsetzen und Unverständnis haben die Jusos Freiburg die Entscheidung der Caritas aufgenommen, einen Flächentarifvertrag in der Pflege abzulehnen. Dadurch ist es Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) nicht möglich gewesen, den Tarifvertrag auf die gesamte Pflegebranche auszuweiten. Geplant war eine Erhöhung des Branchenmindestlohns um 25 % bis 2023.  „Dieser Tarifvertrag wäre ein Schritt in die richtige Richtung gewesen, die Arbeit von Pflegenden mehr wertzuschätzen“, meint Madeleine Bayer, Co-Vorsitzende der Jusos Freiburg. Gerade in der Corona-Krise habe sich gezeigt, wie wichtig Menschen, die in der Pflege arbeiten, für die Gesellschaft seien.

Eine bessere Bezahlung erkenne nicht nur die Arbeit von Pflegenden an, sondern mache den Beruf auch an sich attraktiver, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. „Es ist richtig, dass Bundesarbeitsminister Heil (SPD) nun die Pflegemindestlohnkommission einberufen will. Denn in der Pflegebranche brauchen wir höhere Mindestlöhne und bessere Arbeitsbedingungen.”, so Bayer.

Kritik gibt es von den Jusos auch zum sog. „Dritten Weg“, der den Kirchen und kirchlichen Verbänden, zu denen die in Freiburg ansässige Caritas gehört, gewisse Freiräume in der Lohnfindung zugesteht. „Die Zeiten, in denen Kirchen Arbeitnehmer:innen anders behandeln dürfen als andere Unternehmen, müssen wir beenden“, fordert Pascal Schnieder, Co-Vorsitzender der Jusos Freiburg. Zu guter Arbeit gehöre nicht nur der Abschluss von Tarifverträgen nach dem üblichen „Zweiten Weg“, sondern auch die Ausdehnung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes auf kirchliche Arbeitgeber, um Kündigungen unmöglich zu machen, die sich etwa aus der Eheschließung zweier Menschen gleichen Geschlechts ergeben.

Die Abschaffung kirchlicher Privilegien im Arbeitsrecht ist für die Jusos schon längst überfällig.

Kommentare wurden geschlossen.