Offener Brief an Lars Castellucci

verwundert und ein wenig irritiert haben wir Dein Interview mit der Stuttgarter Zeitung am vergangenen Wochenende gelesen. Dort sagtest du „Niemand macht der Jugend bisher ein Angebot, auch mal in Politik hineinschnuppern zu können“. Wir fühlen uns nicht nur nicht ernst genommen, sondern auch mit all unserer Arbeit ignoriert. Viele von uns stecken ihre gesamte Freizeit, ihre Wochenenden, Unmengen ihrer Energie in die Jugendarbeit unserer Partei. Natürlich können junge Menschen bei uns Jusos unverbindlich „in die Politik hineinschnuppern“. Dafür arbeiten wir Jusos in den Kreisverbänden und auf Landesebene jeden Tag. Anfang des Jahres machte der Hashtag #diesejungenleute die Runde. Wir hatten gehofft, dieser führe dazu, dass wir als Jusos auch in der Partei ernster genommen werden. Das Gegenteil scheint bei Dir der Fall zu sein.
Auch Dein Zitat: „Jede Jugendfeuerwehr oder Ministrantengruppe macht uns vor, wie gute Jugendarbeit aussieht. Da liegt ein Riesenpotential. Ich habe ein klares Konzept dafür erarbeitet, jungen Menschen die Möglichkeiten zu geben, sich bei uns auszuprobieren.“ trifft uns auf mehreren Ebenen sehr hart. Nicht nur sprichst du den Jusos ab, ein politisches Angebot für junge Menschen anzubieten, sondern stellst auch unsere Kompetenz in Sachen Jugendarbeit in Frage. Dabei haben wir bei den Jusos Angebote für alle jungen Menschen. Schüler*innen, Studierende, Auszubildende und natürlich auch junge Menschen, die frisch ins Arbeitsleben starten oder gestartet sind.
Wenn du mit 44 Jahren behauptest, all das leisten zu können, was wir als Jusos Deiner Meinung nach nicht “schaffen“, wirkt das wenig authentisch. Als würden Jugendliche (Jusos) nur darauf warten, dass Erwachsene (Nicht-Jusos) ihnen sagen, wie sie sich politisch beteiligen sollen. Ein fertiges Konzept, ohne mit uns Jusos darüber gesprochen zu haben ist nicht nur eine Geringschätzung unserer Arbeit, sondern deklariert sie als quasi nichtexistent. Darüber soll nun ein anderer Organisationsrahmen von oben gestülpt werden? Jugendarbeit in Baden-Württemberg, in der SPD geht nur MIT der Jugend und nicht gegen sie. Wir freuen uns auf Deine Antwort und auf den Brief der Juso-Landesvorsitzenden Stephanie Bernickel.
Du trittst an mit dem Versprechen die Partei zu einen. Wir sind ebenfalls Teil der Partei, und fühlen uns derzeit durch Deine Aussagen sehr vor den Kopf gestoßen. Bitte halte dieses Versprechen, egal ob Du gewählt wirst oder nicht, und beziehe uns – alle (!) Jusos – in Deine Arbeit mit ein. Zum Beispiel könnte in Zukunft eine engere Zusammenarbeit zwischen Landesvorstand und Juso-Kreisverbänden stattfinden. Diesbezüglich erwarten wir aber, dass Du auf uns zukommst, wenn du Ideen hast. Wir hoffen, dass Du das bald klarstellst und uns auch auf diesen Brief antwortest.

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